Markttag in Keur Abdou Ndoye

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So, endlich der erste Eintrag auf dem neuen Blog… mein Praktikum ist jetzt schon zu 2/3 rum und ich bin gerade dabei, meinen Rückflug zu buchen.

Seit meinem ersten (und einzigen) Zwischenbericht, den ich AGRECOL geschickt habe, ist so einiges passiert. Und bevor ich jetzt anfange, das alles blogfertig aufzubereiten und damit soviel Zeit verbringe, dass der Blogeintrag heute wieder nichts wird, schreibe ich einfach mal, was ich gestern gemacht habe.

Morgens, nach dem ich ein bisschen Wäsche gewaschen hatte mit den Frauen aus meiner Familie, bin ich aufs Feld gegangen. 15 Min. Weg durch Dünen und stark abgeholzte Eukalyptuswälder, dann ein Stück durchs Dorf. Die Kinder rufen „Ndeye“ und „Aida“, so heiße ich hier. Manche sagen, schön auswendig gelernt, „donne moi 100 Francs“. Die Frauen rufen, „Kai!“ – komm! und eine sagt, „may ma sa Sirr!“ – gib mir deinen Rock. Man kann nicht überhören, dass ein Toubab (weißer) vorbeigeht. Ich grüße in alle Richtungen. Von weitem sehe ich das Windrad drehen und freue mich über den starken Wind.

das Möhrenfeld

Heute ist Möhrenernte, 10 Säcke werden ausgebuddelt und zum Markt gefahren, in der Hoffnung auf einen guten Preis. Während dessen wird bewässert, mit dem Schlauch: Die Motorpumpe funktioniert seit heute wieder und die Flächen, die nicht mit Tröpfchenbewässerung ausgestattet sind, müssen dringend gegossen werden. Die Tröpfchenbewässerung läuft auch gerade. Ich habe Plastikflaschen an verschiedenen Tropfern befestigt, um die Wasserverteilung zu messen, die nicht gerade homogen ist. Während die anderen buddeln und bewässern, stelle ich die Hähne auf und zu, schaue, ob der Boden feucht ist und ob es viele verstopfte Tropfer gibt, reinige manche, wasche die Filter und messe das Wasser in den Plastikflaschen. Dann helfe ich beim Möhrenbuddeln. Heute sind ein paar Leute zum Helfen gekommen, die ich nur wenig kenne. Der eine will, dass ich einen Senegalese heirate und scherzt mit mir. Der andere kommandiert mich rum, nein, komm hierher! so! Als drei Säcke beriet sind, wird der Eselskarren beladen. Ob ich fahren kann? ich kanns ja mal versuchen.Eine gute Gelegenheit, wenn ich mit zum Markt komme, können wir zur Wage gehen. Schon seit Wochen wollten wir mal einen Sack wiegen, um den Ertrag auch in t dokumentieren zu können. Der kleine Junge drückt mir die Zügel-Seile und das Gummirohr (die Peitsche) in die Hand. Der Esel macht eigentlich ganz brav was ich will und kennt auch zum Glück den Weg besser als ich. Den Jungs bin ich nicht schnell genug, ich soll fester draufschlagen.

Am Markt ist ein Gerufe und Geschrei los. Von hier wird Gemüse nach Dakar gefahren. Es gibt eine große Waage, das wiegen kostet 100 francs. Die umstehenden rufen auf mich ein, ich solle den Sack nicht wiegen lassen. 60 Kg, das wissen sie. 60 Kg, beib hier! lass den Karren hier! Im Grunde ist es auch egal, weil eh nicht nach Kg sondern nach Sack bezahlt wird. Meine Eseljungs wollen auch nicht helfen. Aber weil ich 100 Francs habe, gehen wir doch. Auf dem Rückweg von der Waage fragen mich alle nach dem Gewicht, 75 Kg, zu meinem Glück war es nicht 60.

Gemüsemarkt in Keur Abdou Ndoye

Gemüsemarkt in Keur Abdou Ndoye

Zurück zum Feld, Das Mittagessen (große schüssel Reis mit Fisch) ist schon gekommen und auch schon aufgegessen. Aber ich habe mir auf dem Markt was gekauft gehabt weil die beiden, die immer auf dem Feld arbeiten, alleine auch zwei solche Schüsseln essen würden. Jetzt wird Tee mit viiel Zucker gekocht. Wir sind nur noch zu dritt, die Erntehelfer nach Hause gegangen. Zeit für neue Wolof-Wörter. Der eine gibt mir eins nach dem anderen und will, dass ich „tiefe“ Wörter und mindestens zwei verschiedene für die gleiche Sache lerne, ein sehr guter Lehrer. Nebenbei frage ich ein bisschen, was die letzten 4 Tage passiert ist, weil ich war im Osten vom Senegl und habe ein anderes Projekt von ENDA Pronat besucht. Die Navetten (Rettiche) auf dem Tröpfchenbewässerungsfeld haben mehr Fraßstellen von Raupen als die auf dem Sclhauchbewässerten, erzählt mein Wolof -Lehrer z.B. Und noch so dies und das, einen Teil davon schreibe ich auf ins Feld-Tagebuch. Und wie viel Säcke heute geerntet wurden. Ich erzähle ihm, dass wir uns gerade um die Wasserzähler kümmern und er gibt mir noch einen Kontakt, wo wir evtl. den fehlenden Zähler kriegen können. Danach geht die Schlauchbewässerung weiter und zwei von uns streuen Dünger, Hühnermist.

Bevor es dunkel wird sollte ich zu Hause sein, sonst ist meine Mutter nicht zufrieden. Daher beeile ich mich um halb 7 auf dem Heimweg. Unterwegs klingelt mein Handy, ich stehe im Dorf, umringt von Kindern, einer von ENDA Pronat ruft an und wir besprechen so dies und das. Zurück durch den Eukalyptuswald in mein Dorf, die ersten Sterne scheinen. „je t’aime“ ruft mir ein wunderschönes Mädchen mit Baby auf dem Arm aus einem Hausfenster zu. „je t‘ aime aussi!“ sie lacht übers ganze Gesicht.

Zu hause angekommen grüße ich meine Familie. Dann kommt noch mein Mitarbeiter vorbei, der mit mir die Dokumentation und „Animation“ von dem Windradfeld macht. Er wohnt hier im Dorf und hat selbst auch ein Feld. Wir besprechen, was zu tun ist. Ein Monatsbericht, z.B., den müssen wir schreiben. Und Kopien machen, für die Pflanzenbeobachtungen. Das mache ich, wenn ich das nächste mal nach Dakar fahre.

Zum Abendessen gibt es Reisbrei mit Fisch und Maggi. Ich esse aus einer großen Schüssel mit den Frauen und Kindern,. Seit ich ein eigenes Zimmer habe, habe ich auch eine Gasflasche und bin selbstständig, was heißes Wasser angeht! Ich mache mir einen Tee. Beim Zähneputzen beobachte ich die Sterne.

Tropfschlauch auf dem Möhrenfeld
Tropfschlauch auf dem Möhrenfeld
Windrad
Windrad auf unserem Feld
Die Holzmädchen kommen abends am Feld vorbei
Die Holzmädchen kommen abends am Feld vorbei
Feld abends
um die Zeit muss ich nach Hause…

3 Antworten to “Markttag in Keur Abdou Ndoye”

  1. Wolfgang Bayer Says:

    Danke für die sehr anschauliche Schilderung –

    Grüsse

    Wolfgang (Bayer)

  2. Christian Says:

    herrliche Bilder, wirklich nett geschrieben !
    Kann ich mir richtig vorstellen: wir Langnasen sind einfach zu zögerlich, wenn es darum geht mit dem Gummirohr das Eselchen auf Trapp zu bringen…
    Und sowas überflüssiges wie „Wiegen“, und dafür noch Geld ausgeben.
    Viel Spaß und Erfolg noch in Diender und Umgebung (nicht vergessen ein Bäumchen zu pflanzen )
    Bis dann
    Christian Schellert

    • Moritz Reckling Says:

      Die Zeit mit Dir in und um Dakar war wirklich klasse, weiter so mit dem Projekt und mach auch mal Pause und lausch den Troepfchen….. Viele Gruesse aus Wageningen Dein Moritz

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