Aus der Praxis

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Angekommen in Koussanar haben wir eine Versammlung mit dem Vorstand des Bauernverbandes „Yakaar Niani Wulli“ (YNW) und den Verantwortlichen des „Suivi“ (zuständig für Betreuung der Bio-Produzenten ) abgehalten. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich und das Projekt der Feldkartierung vorgestellt. Wie ich bei der ‚Réunion‘ erfahre, soll ich neben dem Kartieren der Felder den Verantwortlichen des ‚Suivi’ die Kartier-Methoden mit dem GPS Gerät beibringen. Diese sollen dann nach meiner Abreise diese Arbeit fortführen.

Als Ergebnis dieser ‚Réunion‘ wurde beschlossen, dass ich mit meiner Arbeit in dem Dorf Saré Sambourou, ca. 4 km entfernt von Koussanar anfange. Saré Sambourou ist ein kleines Dorf mit ca. 500 Einwohnern, die Bevölkerung gehört zu der Ethnie der Fulbe, eine Volksgruppe die ehemals nomadisch lebte, heute aber überwiegend sesshaft ist.

Saré Sambourou

 

Am folgenden Tag sind wir mitsamt dem Vorstand nach Saré Sambourou gefahren, um dort den ‚Chef du Village’ (Dorfchef) in seiner Lehmhütte zu treffen. Wir wurden empfangen und nach traditioneller Manier wurde der Chef über unser Vorhaben informiert. Er gab uns seine Zustimmung, unter der Voraussetzung, dass ich ihn und die Dorfbewohner mit meiner Arbeit nicht nerve.

Chef du Village

So habe ich unter der gleißenden Sonne von Koussanar meine Arbeit begonnen. Als einzige des „ENDA-Teams“ fahre ich in die Felder, begleitet von ein paar Vorstandsmitgliedern von „YNW“. Anstelle meiner Kollegen von „ENDA“ sind die jungen Männer des „Suivi“ anwesend und voller Erwartung, dass ich ihnen nun zeige wie sie Felder kartieren. Bevor ich dazu komme, selber heraus zu finden wie ich am besten vorgehe, bin ich schon dabei (mit Händen und Füßen), den jungen Männern Einführungskurse in die GPS-Kartierung zu geben. So kam es, dass meine Arbeit einen eher pädagogischen Schwerpunkt bekam und so ist es bis zum aktuellen Zeitpunkt geblieben.

‚Kartierarbeit‘ – Helfer und Interessierte, ein Teil der Anwesenden..

Beeindruckend ist wie sich die Landschaft verändert. Anfangs noch recht kahl, hat sich die Natur nun nach einigen Regenschauern in eine endlose Farbpalette von Grün in allen Nuancen gewandelt. Ich genieße jeden Moment, den ich hinten auf einem Motorrad sitze, den Fahrtwind spüre und die vorbei sausenden Bilder in mich ‚aufsauge‘.

Leben tue ich als Mieterin in einem größeren Wohnkomplex mit mehreren Familien und anderen Mietern. Das Leben in Koussanar wird sehr von der Tatsache geprägt, dass ich eine andere Hautfarbe habe. So wurde meiner Vermieterin, einer etwas hysterischen, allein lebenden Frau schon vor meiner Ankunft eine „Toubab“ versprochen. Nun merke ich, dass ich einen großen Teil in ihrer täglichen Unterhaltung einnehme.

Die europäische und die afrikanische Kultur unterscheiden sich sehr. Was mir vor allem im Zusammensein mit „formal-gebildeten“ Senegalesen bewusst wird, davon ausgehend, dass man ähnliche Werte und Normen vertritt. Doch immer wieder merke ich, dass es Punkte gibt, an denen die senegalesische und die europäische Kultur – unabhängig von Bildung und „Weltoffenheit“ – nicht auf einen Nenner zu bringen sind.

Die Tatsache, dass die Kulturen dieser Welt(en) sich unterscheiden, lässt mich über den Sinn von Entwicklungshilfe nachdenken vor allem darüber was „Entwicklung“ überhaupt ist. Liegt das nicht im Auge des Betrachters?

2 Antworten to “Aus der Praxis”

  1. gisa01 Says:

    Juhu Vera,
    zu Deiner Überlegung der „Entwicklung“ betreffend, lese ich gerade ein passendes Buch. Axelle Kabou: Weder arm noch ohnmächtig. Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weisse Helfer. Sehr interessant. Gibt es hier in der Bib.
    Wünsche Dir noch eine schöne Zeit – genieß es!
    Gisa

  2. Matthias Says:

    das ist richtig spannend und sicherlich kannst du viel lernen. Die interkulturellen Eindrücke kann dir niemand mehr nehmen. Ich wünsche dir weitere gute Begegnungen und Erlebnisse.

    Ich bin zurzeit im Nord-Kivu im Kongo und mache mir auch des öfteren Gedanken über EZ.

    Herzliche Grüße von Matthias

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