Der erste Monat: K´oa, Coca, Cochabamba

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Nach zwei Jahren in der deutschen Heimat kehre ich in das schöne Bolivien zurück. Hier könnt ihr lesen was mir im ersten Monat so passiert ist. Viel Spaß!

Nach einem ersten Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten in Sucre, wo ich bereits ein Jahr meines Lebens verbracht habe, reiste ich weiter in meine neue Wahlheimat für die nächsten 6 Monate, Cochabamba. Hier befindet sich das Büro von AGRECOL Andes, mein Arbeitgeber für die kommende Zeit. Für Alle, die es nicht wissen: Agrecol ist eine Stiftung, die kleinbäuerliche ökologische Landwirtschaft in Bolivien fördert. Ich freute mich, mein im Studium gesammeltes theoretisches Wissen endlich auch praktisch anwenden zu können und war gespannt, welche Aufgaben auf mich zukommen würden.

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Zunächst verbrachte ich die ersten Tage damit, mich in Cochabamba einzuleben und zurechtzufinden. Der Leiter meines Projektes, Alex, war zu der Zeit noch auf dem Land unterwegs und nicht erreichbar. So las ich erst mal über das Projekt, dem ich zugeteilt wurde: „Fortalecimiento de la autegestión de asociaciones productivas en el Cono Sur de Cochabamba“, aha, klingt ja ganz interessant, aber was könnte ich, als noch unvollendete Agrarwissenschaftlerin mit Spezialisierung im Bereich der Pflanzenproduktion, zur „Stärkung der Selbstverwaltung von Produktionsverbänden im südlichen Zipfel von Cochabamba“ beitragen. Mit Cochabamba ist hier übrigens nicht die Stadt Cochabamba, sondern das gleichnamige Departamento, ähnlich einem deutschen Bundesland, gemeint.

Mit meiner ersten Reise aufs Land wurde mir klarer, worum es gehen würde und wie ich eventuell helfen könnte. Gleich am ersten Wochenende fuhren wir im Pickup zu fünft nach Pasorapa. Sieben Stunden Fahrt, sieben Stunden! Während dieser Zeit sah ich beeindruckende Landschaften, die sich ständig zu ändern schienen, kahle Berge und grüne Täler, vor allem aber sah ich nur wenige Häuser. Mit einer Fläche drei Mal so groß wie Deutschland und ca. 10 Millionen Einwohnern ist Bolivien im Vergleich nicht besonders dicht bewohnt. Vor allem erlebte ich aber auch viele verschiedene unterschiedliche Straßen, asphaltiert, gepflastert (schlecht gepflastert) und zum Schluss nur noch aus Sand und Staub bestehende Straßen, Wasserstraßen gab es auch und zwar mitten durch den Fluss. In Pasorapa fand der erste “Congreso Productivo Agropecuario” der Region statt. Aus der ganzen Region kamen Landwirte zusammen, um darüber zu diskutieren und zu entscheiden, in welche Richtung sich die Produktion der Region in Zukunft entwickeln sollte. Viel konnte ich nicht beitragen, weil der Kongress auch gar nicht Teil meines Projektes war. Ich dokumentierte das Zusammentreffen auf vielen Fotos und half bei der Versorgung.

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In der Nacht des Kongresses reisten wir schon weiter. Wieder über Schotter und Staub bis wir in Aiquile, die selbsternannte nationale und internationale Hauptstadt des Charangos, das ist ein bolivianisches Musikinstrument, ähnlich der Mandoline, ankamen. Am folgenden Tag kauften Alex und ich auf dem Markt alles Notwendige für die uns vorbestehende K´oa: Ein Ritual, bei dem man das bolivianische Kraut K´oa verbrennt und mit ihm kleine Quadrate, die verschiede Symbole tragen und zum Beispiel Glück, Stärke oder Geld bedeuten.

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Mit der K´oa bringt man ein Opfer für Pachamama (Mutter Erde) Hanaqpacha (Himmel) und Ukhupacha (Unterwelt). Weshalb man neben der K´oa und den Dingen, die man sich für die Zukunft wünscht, auch drei Coca Blätter und drei Zigaretten verbrennt. Außerdem wird während des Rituales Alkohol – Singani und Wein – getrunken und Coca gekaut. Jeder Teilnehmer erbittet etwas für die Zukunft. In unserem Fall wünschten wir uns hauptsächlich eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.Danach fand die Besprechung der APROM statt. Die APROM ist ein Verband von Produzenten von ökologischem Mais der Region. In dieser Versammlung, die hauptsächlich auf Quechua, der Sprache der indigenen Bevölkerung der Region, stattfand und nicht auf Spanisch, definierten wir auch schon meine zukünftige Arbeit mit der APROM. Ich werde in den nächsten Monaten eine Dokumentation des regionalen Wissens über den Anbau von Mais erarbeiten mit besonderem Schwerpunkt auf den regionalen Sorten, die der Verband anbaut und den Produkten, die sie davon erzeugen kann bzw. könnten. Am nächsten Tag reisten wir über Mizque zurück, wo zurzeit eine neue Autobahn zwischen Sucre und Cochabamba konstruiert wird, diesmal asphaltiert.

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In der nächsten Zeit in Cochabamba erarbeite ich einen zweiten Arbeitsvorschlag für einen anderen Verband, die APRAE, dessen Mitglieder neben Mais, Kartoffeln, Quinoa und Amarant auch Honig produzieren. Im letzten Semester in Deutschland habe ich an der Uni einen Imkerkurs absolviert und ich freue mich besonders, dass ich mein Wissen über das Halten von Bienen und die Honigproduktion weiter ausbauen kann. Mit der APRAE werde ich eine Dokumentation über die Bienenhaltung in der Region erstellen, die helfen soll, das Wissen festzuhalten, zu verbreiten und auszubauen.

Im Oktober durfte ich an einigen weiteren Reisen teilnehmen, die wenig mit meinen Aufgaben zu tun hatten, mir aber halfen, die Situation der Verbände besser zu verstehen und Kontakte aufzubauen. Einmal machte ich mit Alex die lange Reise bis Aiquile nur, um am selben Tag wieder zurückzukehren. Wir transportierten Mais und den Vorstand der APROM nach Cochabamba, um dort einen Vertrag für die kommenden zwei Jahre auszuarbeiten. Die APROM, die bis jetzt ihren Mais zu einem niedrigen Preis an Zwischenhändler verkauft hat, verkauft nun direkt nach Cochabamba an einen Nacho- und Tortillahersteller.

Der erste Monat bei AGRECOL hat mir viele neue Erkenntnisse gebracht über ein Land, von dem ich glaubte es bereits in- und auswendig zu kennen, über die Lage der Landwirte und die Arbeit einer NGO in einem sogenannten Entwicklungsland.

Eine Antwort to “Der erste Monat: K´oa, Coca, Cochabamba”

  1. Ann Waters-Bayer Says:

    Danke, Lea, für diesen Bericht! Es ist gut zu sehen, dass du vor allem bei der Dokumentation des Wissens der Bauern und Bäuerinnen beschäftigt wird. Das ist eine ideale Aufgabe für ein Praktikum, da man dabei soviel lernen kann. Weiterhin viel Spaß und noch mehr neue Erkenntisse!

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