No hay agua

by

No hay agua

Angekommen in Cochabamba, wurde ich von einer lebendigen, bunten und vielseitigen Stadt empfangen. Im corazón (Herzen) von Bolivien, wie die Stadt auch genannt wird, werden an jedem Ecken Früchte, Mais- und Erdnusssnacks und frisch gepresster Orangensaft angeboten.

Blick auf Cochabamba

Blick auf Cochabamba

Der berühmte Cristo de la Concordia

Der berühmte Cristo de la Concordia

Die micros, welche dich für 2 Bolivianos quer durch die Stadt fahren

Die micros, welche dich für 2 Bolivianos quer durch die Stadt fahren

Ein Gemisch aus Moderne und Tradition bewegt sich auf der Strasse. Wenn man mit Taxifahrern spricht, kommt man schnell auf das eine grosse Thema zu sprechen – das Wetter, bzw. das Wasser. Es gebe kein Wasser, seit Monaten hat es in der Region um Cochabamba nicht mehr geregnet. Und auch jetzt, wo langsam die Regenzeit anfängt, bleibt der essenzielle Niederschlag aus.

Welche Folgen die Trockenheit der Region hat, wird mir erst in Aiquile bewusst. Aiquile ist ein kleines Dorf ca. 200 km südlich von Cochabamba. Hier werde ich die Projekte von Agrecol Andes im Cono Sur unterstützen. Die Fundación Agrecol Andes ist eine Nichtregierungsorganisation, welche ökologische Landwirtschaft in den Regionen rund um Cochabamba unterstützt. Die Busfahrt von Cochabamba nach Aiquile war beeindruckend. Einerseits aufgrund der wunderschönen Landschaft, welche von flüchtig besiedelten Tälern und hohen, kargen Bergen geprägt ist. Andererseits führte uns die Fahrt an einfachen Häuschen vorbei, wo Bauern ihre trockenen Äcker bestellen. Nur selten war wirklich viel Grün zu sehen. Später erzählte man mir, dass aufgrund der Trockenheit die Kultivierung von Getreide und Gemüse nur noch schwer möglich ist und daher viele Landwirte in die Städte abgewandert sind.

Das Departement Cochabamba, zu welchem auch Aiquile gehört, erhält in der Regenzeit (November-März) durchschnittlich 80 mm Niederschlag. Dies ist vergleichsweise so wenig wie in Luzern (CH) in denselben Monaten fällt. In den letzten zwei Jahren waren die Sommerniederschläge in Cochabamba grösstenteils ausgeblieben, was zu einer grundlegenden Knappheit an Wasser für Landwirtschaft und Leute führt. In Tanklastwagen wird Wasser vom Tiefland hierhin transportiert – jedoch lediglich in die Städte und Dörfer. Für Bewässerung von Ackerkulturen sind die Wege zu Weit und das Wasser zu knapp.

Agrecol Andes unterstützt seit 15 Jahren Landwirte in den comunidades von Aiquile, Pasorapa und Totora im Rahmen von Sistemas Participativos de Garantía (SPG). Ziel der SPG ist es, die ökologische Landwirtschaft zu fördern und Landwirten dadurch eine bessere Lebensgrundlage durch höhere Diversität und Produktivität ihrer Parzellen zu ermöglichen. In einem ökologischen Landwirtschaftssystem sollen die fünf Dimensionen der ökologischen Landwirtschaft berücksichtigt werden. Dies sind namentlich die politische, ökonomische, technologisch-produktive, soziokulturelle Dimension, sowie die Umwelt. Landwirte, welche ihre Produktion ökologisch gestalten möchten erhalten nach einer Umstellungsphase das SPG-Zertifikat, welches eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Parzelle garantiert. Im Prozess der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft wird jeder Landwirt von einem evaluador betreut. Dies sind Landwirte, welche ihre Parzellen bereits ökologisch bewirtschaften und ihr Wissen weitergeben und somit andere Betriebe im Prozess der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft unterstützen. Zusammen mit den evaluadores erarbeiten die Landwirte einen plan de mejoramiento de la producción (Plan für die Verbesserung der Produktion), in welchem konkrete Ziele für die Bewirtschaftung der Parzelle ausgearbeitet werden. Dies können bspw. der Verzicht auf chemische Düngemittel oder das Aufbereiten von eigenem Saatgut sein. Anhand dieses partizipativen Ansatzes haben in den comunidades rund um Aiquile bereits 47 Landwirte ein SPG-Zertifikat erlangt.

Um die Landwirte in ihrer Praxis der ökologischen Landwirtschaft zu unterstützen, werden von Agrecol Andes regelmässig Inputs zu angepassten Methoden gegeben. Don Mario, der Leiter der SPG im Aiquile, hat einer Gruppe von Landwirten der comunidad Ch’aqo K’asa gezeigt, wie sie selbst biologische Düngemittel herstellen können. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Kuhmist, Asche, Melasse, Milch, Hefe und Wasser in einem Fass zu organischem Flüssigdünger transformiert werden. Nach einer Fermentierungszeit von 2 Wochen wird der biologische Flüssigdünger auf jegliche Kulturen ausgebracht. Da die Bauern die Bestandteile für die Herstellung dieser biofertilizante selbst auf ihrer Parzelle haben, oder für wenig Geld aufbringen können, eignet sich diese Methode ideal für die Förderung des Pflanzenwachstums in abgelegenen Regionen.

Vorbereitung des Präparates

Vorbereitung des Präparates

Don Mario erklärt den Prozess der Fermentierung

Don Mario erklärt den Prozess der Fermentierung

Gemüse, Getreide sowie Kräuter, welche auf den Parzellen der SPG-zertifizierten Bauern wachsen, werden jeweils am Sonntag an den Märkten, den sogenannten ferias in Aiquile, Sucre oder Cochabamba verkauft. Zudem werden auch Brot, Kekse, Turrón, Amaranthmüesli, Honig, Konfitüren und Erfrischungsgetränke angeboten. Diese werden von der Frauenorganisation ASOACOM (Asociación Agropecuaria Comunal) hergestellt. Ziel dieser Organisation ist es, Getreide und Früchte zu gesunden Produkten weiterzuverarbeiten und dadurch ein zusätzliches Einkommen für die Familie zu generieren. Diese Produkte werden bisher ebenfalls am Sonntag auf dem Markt verkauft. Um den Verkauf von diesen Produkten zu fördern, sollen in den nächsten Monaten neue Vertriebszweige ausgearbeitet werden. Anhand einer bereits bestehenden Marktanalyse, steht momentan die Eröffnung eines Ladens der ASOACOM im Mittelpunkt. Zudem werden Kooperationen mit Schulen und grösseren Geschäften in Aiquile in Betracht gezogen.

 

Kartoffelsektor des Marktes in Aiquile

Kartoffelsektor des Marktes in Aiquile

Herstellung von pan de maíz

Herstellung von pan de maíz

Verkauf der transformierten Produkte der ASOACOM am Sonntag auf dem Markt

Verkauf der transformierten Produkte der ASOACOM am Sonntag auf dem Markt

Wie in Aiquile gibt es auch in den comunidades von Pasorapa verschiedene Organisationen, welche sich in verschiedenen Phasen von Kommerzialisierungsprojekten befinden. Letze Woche haben wir zwei dieser Organisationen in Chinori und Seibas besucht und mit dem nötigen Material für die Transformation von den Produkten versorgt. Die folgenden Bilder sind Eindrücke der Treffen in den comunidades.

 

Eeklärung des neuen Materials für die Herstellung von Marmelade und Fruchtsäften in der comunidad Chinori

Erklärung des neuen Materials für die Herstellung von Marmelade und Fruchtsäften in der comunidad Chinori

 

Schwierigkeiten werden besprochen und neue Pläne ausgelegt

Schwierigkeiten werden besprochen und neue Pläne ausgelegt

Frauenorganisation in Seibas mit den Zertifikaten für ihre absolvierten Workshops über die transformation von Produkten

Frauenorganisation in Seibas mit den Zertifikaten für ihre absolvierten Workshops über die Transformation von Produkten

Von der Einfachheit und der Zufriedenheit der Menschen in den abgelegenen comunidades sowie der dynamischen Arbeit von Agrecol Andes bin ich beeindruckt. Ich freue mich, noch vieles zu lernen und werde hier bald (sofern es die Internetverbindung zulässt) wieder über meine bereichernden Erfahrungen in Bolivien berichten.

2 Antworten to “No hay agua”

  1. Matthias Görgen Says:

    Liebe Tamina,
    es macht richtig Spaß, deinen ersten Bericht zu lesen und da kommt schon Vorfreude auf, was du demnächst schreiben wirst. Merci, für die anschauliche Darstellung der Lebensweisen, der landwirtschaftlichen Praktiken und Beratungsaktivitäten von Agrecol-Andes in den abgelegenen Anden-Dörfern.
    Das Praktikum wird dir sicherlich noch viele weitere nette Einblicke und nützliche Erfahrungen zur ländlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung bringen.
    Herzliche Grüße und alles Gute für das neue Jahr 2017,
    Matthias

  2. Jochen Currle Says:

    Liebe Tamina,
    vielen Dank für Deine Eindrücke und die Beschreibung der Arbeit dort. Besonders das Thema SPG finde ich spannend und würde gerne noch mehr darüber erfahren, wie dieses System in Bolivien funktioniert, was die Leute motiviert da mit zu machen und was es ihnen möglicherweise für Vorteile bei der lokalen Vermarktung bringt. Agrecol Andes ist ja schon unglaublich lange am Thema der lokalen Vermarktung organisch erzeugter Lebensmittel und wir können sicher einiges davon lernen. Spannend auch der agrar-ökologische Ansatz, der ja viel weiter geht als nur organische Produktion. Was mich wundert ist die sehr geringe Menge Niederschlag von 80 mm während einer normalen Regenzeit. Vielleicht sind das auch 800?

    Sei herzlich gegrüßt und fang‘ das Neue Jahr gut an,

    Jochen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: