Agroforestería dinámica – Projekt Einblick

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Nur zwei Monate in Cochabamba und doch schon so viel Erlebt und an Erfahrung gesammelt. Die Wochenendausflüge in die umliegenden Dörfchen und den tieferen Einblick in die Kultur durch das Tag zu Tag Leben in Cochabamba lassen mich Bolivien besser verstehen. Vor allem die Arbeit auf dem Feld und den Kontakt mit Subsistenzwirtschaftlern prägen die Eindrücke.

Rain is coming

Derzeit bin ich hauptsächlich in einem Projekt involviert: Dynamische Agroforstsysteme rund um der Stadt Cochabamba (Tunarí). Die folgenden Erzählungen basieren hauptsächlich auf Participant Observation. Grund dafür ist die doch etwas verwirrende Definition der Projektbeschreibung und die ungenaue Aufzeichnung der erfolgreich abgeschlossenen Teilziele. Finanzielle Verwirklichung des Projektes verdanken wir Nature Fund und praktische Vollziehung Serafin V. (Naturtechnischer Ingenieur & mein Mentor). Dazwischen sind natürlich Arbeiter für die lokale Verteilung des Geldes, Monitoring etc. Serafin ist erst seit kurzem bei diesem Projekt angestellter Ingenieur (ca. ein Jahr). Praktiziert aber schon seit ca. 2000 in diversen Projekten Agroforstsysteme. Er bring sehr viel Erfahrung mit sich und laut seiner Aussage widmet er sein Leben diesem naturnahen System der Kultivierung, für die Verbesserung der Umweltsituation in Bolivien. Das einzige Problem an Serafin ist die Aufzeichnung der Erfolge, Zwischenschritte, Abmachungen etc. Was in Bolivien doch noch eher Gang und Geben ist, praktiziert auch Serafin: mündlich Absprachen ohne genaue Aufzeichnung & manövrieren des Projektes über Kontaktnetzwerke die sich teilweise nur schwer verstehen lassen. Dennoch ist dieser Mann ein Revolutionär was die nachhaltige Kultivierung bolivianischer Böden angeht.

Arbeit auf dem Feld

Generell kann man sagen das sich das Projekt in zwei Teile aufgliedert:

Zu einem die Kultivierung von Fruchtbäumen (Schwerpunkt Apfelbaum) synchron mit Holzgewächsen die hauptsächlich für die Versorgung von organischem Material, Wasserhaushalt, Biodiversität etc. da sind. Auf Anfrage von potenziellen Interessanten kommen Serafin & ich zum jeweiligen Grundstück und treffen Vorbereitungen wie Vermessungen, GPS Koordinaten-Aufzeichnung (Höhe, Standort, Fläche) & finanzielle Absprache. Oft sind die lokalen Bauern etwas skeptisch, da sie diese Kultivierungsform nicht kennen und ihre Existenz davon abhängt. Nach genauer Absprache wird meist ein Termin festgelegt für die Implementierung des dynamischen Agroforstsystems. Dementsprechend kommen wir wieder mit den Holzgewächsen (in Vinto & Tiquipaya steht bereits Gemeindeamt dahinter & sponsert ein Teil der Setzlinge). Serafin erklärt Schritt für Schritt die Anbautechnik und bietet für einen gewissen Zeitraum die Betreuung der Grundstücke an. Ziel bis 2018 ist in den vier Gemeinden (Tiquipaya, Vinto, Sacaba & Araní) ingesamt 50 Grundstücke von Familien für das dynamische Agroforst zu gewinnen und somit deren Ernährungs- und Einkommenssicherung zu garantieren.

Ein weiterer Teil der Arbeit sind Wasserversorgungssysteme für diverse Grundstücke bereitzustellen. Für die Speicherung installieren wir nahe des Grundstückes eine Art Zisterne, die für die Wassersicherung während der acht Monate Trockenperiode sorgt. Diese Arbeit ist oft sehr mühselig, da wir keine Maschinen, sondern puren Muskelkraft für ein fünf Meter tiefes Loch verwenden.

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Außerdem liegen die Schwerpunkt-Comunidades auf sehr hoch gelegenen Gebieten (bis zu 4000 msnm) und die Wasserversorgung der nächsten zuständigen Gemeinde scheitern oftmals. Ein weiter Faktor ist die Wasserknappheit in Cochabamba. Folglich wandern Serafin und ich für teilweise mehrere Stunden in den Bergen, um nächstliegende Flüsse ausfindig zu machen, deren GPS Koordinaten notieren und die Planung für die Rohrverlegung berechnen. Persönlich, find ich das den schönsten Teil der Arbeit.

 

Abschließend würde ich noch gerne schildern wieso wir den Fokus auf die Kultivierung von Apfelbäumen haben. Ich habe eine längere Diskussion mit Serafin geführt und das Resultat sieht folgendermaßen aus:

Ein Großteil der Äpfel kommt aus den Nachbarländern Chile & Argentinien. Der Höhepunkt des Importes liegt zwischen April bis November (abnehmend). Zwischen Januar und Februar liegt der Preis sehr hoch für den importierten Apfel (­­ca. 250 Bolivianos für die Kiste [23kg] statt 100 Bolivianos). Dementsprechend versuchen wir das dynamische Agroforstsystem so zu installieren, dass die Ernte genau in diesem Zeitraum erfolgt und jene Marktlücke dem bolivianischen Apfel gewidmet ist. Ziel wäre es natürlich auf rein regionale & organische Produktion umzusteigen.

Problem bei der organischen Kultivierung ist die Behandlung von Schädlingen. Es braucht viel Expertise & Erfahrung für die artgerechte und organische Behandlung. Im Zeitraum von Januar bis Februar ist der geringste Befall. Zusätzlich ist die Schale des Apfels resistenter gegenüber bspw. Pfirsichen.

 

3 Antworten to “Agroforestería dinámica – Projekt Einblick”

  1. Matthias Görgen Says:

    sehr interessante und informative Schilderung eurer Arbeit. Das scheint doch viel Sinn zu machen und verspricht „Nachhaltigkeit“.
    Weiter so mit dem Agroforst-Ansatz !
    Herzliche Grüße – Matthias

  2. Jochen Currle Says:

    Vielen Dank, Alex, für den spannenden Einblick in Deine Arbeit. So richtig habe ich noch nicht verstanden, was „Agroforesteria dinamica“ von der normalen Agroforesteria unterscheidet. Auch ist mir Euer Ansatz nicht ganz klar. Geht Ihr auf die individuellen Bauern zu oder auf Dorfgemeinschaften oder kommen die auf Agrecol zu? Und was genau bietet Ihr an? Ist das ein in sich geschlossenes System „Agroforesteria Dinamica“ (patentiert?) oder sind das situations- und standortangepasste Agroforst-Techniken? Hattest Du schon mit Noemi Kontakt?

    Herzlich,

    Jochen

  3. alexcochabambablog Says:

    Hallo Jochen,
    Agroforesteria dinamica ist der Name des Projektes & unterscheidet sich nicht von Agroforst.

    In den vier Gemeinden in denen wir arbeiten, wäre es so geplant, dass Agrecol Andes den Gemeinden das Projekt mitteilt. Gleichzeitig informieren wir die Vertreter der jeweiligen Comunidad welche rechtlich zu jener Gemeinde gehört. Wenn die Gemeinde Interesse hat organisiert sie mit den jeweiligen Vertretern der Comunidad und den potenziellen Bauern ein Zusammentreffen (reunion). Serafin ist dabei auch involviert & erklärt die Agroforst-Technik. Nächster Schritt wäre ein Treffen auf dem Grundstück mit dem Bauern für genauere Planung & anschließender Implementierung.
    z.B. in Tiquipaya ist die Gemeinde großer Befürworter & sponsert Setzlinge. Serafin ist dann nur noch für die Installierung & Betreuung zuständig (gehört dann aber trotzdem zum Projekt „Agroforesteria dinamica“. In anderen Gemeinden sind sie noch etwas skeptisch & stehen nicht so wirklich dahinter. Dann übernimmt Nature Fund so gut wie alle Kosten.
    Serafin ist erst seit ca. einem Jahr bei diesem Projekt & seither sind die Absprachen über die genaue Planung der Installierung etc. nicht mehr so formell bzw. nach Projektplan. Kommt auch oft vor, dass Serafin die Vertreter der Comunidad kennt & ihnen das direkt anbietet. Sie befürworten das meist auch, da die Bürokratie der Gemeinde sehr langsam sei… Daher schrieb ich Planung über sein Kontaktnetzwerk.

    Ich war schon auf der Versuchsfläche von Noemi. Habe Sie aber noch nicht persönlich kennen gelernt, da Sie glaub gerade in Madagascar auf einer anderen Versuchsfläche zu Besuch ist. Leider ist auch ein Unglück passiert: Ein Brand zerstörte fast ihrer ganzes Grundstück. Als ich auf Besuch war, war das meiste nur noch schwarzer Boden.

    Saludos,
    Alex

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