Immer wieder für Überraschungen gut

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Wer seine Fähigkeiten in Spontanität und Flexibilität verbessern will, ist in Bolivien genau richtig! Als Fan deutscher Pünktlichkeit und Ordnung kostet es manchmal schon ein paar Nerven sich anzupassen.

Zuerst ein kleiner Exkurs zu meinem letzten Ausflug: Ich bin nach Santa Cruz gereist, um eine Freundin zu besuchen. Zusammen haben wir die Stadt erkundet und waren auch im Biocentro Guëmbé, wo man Papageien, Affen, Schmetterlinge, heimische Pflanzen und noch viel mehr hautnah erleben konnte. Ich denke das war bis jetzt mein schönster Tag in Bolivien. Generell hat Santa Cruz einen tollen Eindruck hinterlassen und ich will auf alle Fälle nochmal hin!

Wie schon erwähnt erfordert Bolivien viel Flexibilität und die Arbeit mit AGRECOL-Andes zeigt das immer wieder. Ursprünglich sollte ich 7 Praktiken bzw. Maßnahmen analysieren. Teil davon waren auch politische und wirtschaftliche Sachen wie beispielsweise kommunale Investitionen im Projekt, oder die Rolle der Frau in der Weiterverarbeitung von Produkten. Das können sehr interessante Themen sein, aber es fällt nicht unbedingt in den Bereich Ökologie und nachhaltige Landwirtschaft, wegen denen ich ja nach Bolivien gekommen bin. Abgesehen davon sind 7 Analysen doch etwas viel für 6 Monate. In einem Gespräch mit meinen Betreuern vor Ort haben wir das Ganze dann auf 4 reduziert, weil Sie auch meinten, es wäre zu viel.

Letztlich blieben übrig: Der Schutz von Wasserquellen für mehr Verfügbarkeit in der Trockenzeit, Die Durchführung eines Schulfrühstücks für mehr Ernährungssicherheit unter den Schulkindern, Die Einführung der Imkerei zur Diversifikation des Einkommens lokaler Bauern, sowie Hilfe beim Management von Agroforstparzellen. Mit diesen Themen konnte ich gut arbeiten und es ging voran.

Im letzten Meeting haben wir die Interviewfragen besprochen und als es um die Wasserquellen ging hieß es dann plötzlich „Ach, eigentlich haben wir noch nicht so viel dazu gemacht. Wir können also nicht wirklich Effekte beobachten. Wir lassen das lieber sein. Case closed!“ Etwas verdutzt habe ich schon geschaut, immerhin hab ich viel Zeit und Mühe in die Literaturrecherche gesteckt, um auch Hintergründe der Maßnahme zu verstehen. Zudem wussten sie ja wahrscheinlich schon zu Beginn meines Praktikums, dass da noch nicht viel läuft, weswegen mir es doch etwas spanisch bzw. bolivianisch vorkam, dass mir die Evaluation davon überhaupt aufgetragen haben. Aber gut, ist auch nicht allzu tragisch. Stattdessen kam dann etwas Neues dazu: Mein Betreuer hat zufällig ein Analysesystem zum Messung der Resilienz von Agroforstsystemen in Bezug auf Klimawandel entdeckt. Das soll ich jetzt auch anwenden und da werde mich die nächsten Tage erstmal einlesen müssen.

Letzte Woche wollte ich dann wieder nach Totora und die Fragen erstmals testen, ob sie auch verständlich sind. Um 6 Uhr morgens sollte es losgehen und ich war richtig motiviert. Tja, wie sich Pläne hier regelmäßig ändern, bekomme ich in der Nacht vorher die Nachricht, dass wohl doch kein Platz mehr sei im Auto und ich nicht mitkommen könne. Auch ok, dann ist das eben so. Das bedeutet erstmal Stillstand für meine Arbeit bis nächste Woche, da fahre ich dann mit einem anderen Mitarbeiter (hoffentlich) aufs Land und werde dort für ein paar Tage bleiben, um meine To-do-Liste abzuarbeiten. Mal schauen, ob und wie das wird. Ich bleibe weiterhin optimistisch und versuche einfach mit im spontanen Strom der Bolivianer zu schwimmen. Ich werde schon nicht untergehen.

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3 Antworten to “Immer wieder für Überraschungen gut”

  1. Ann Waters-Bayer Says:

    Gut dass du das alles so positiv siehst, Jakob. Geniess die Erfahrung, die deine Spontanität sicherlich stärken wird!

  2. Matthias Görgen Says:

    und übe dich in Flexibilität und Anpassung. Aber wie es scheint, hast du auch reichlich viel zu tun. Die Themen sind sicherlich spannend und auch komplex. Herzliche Grüße Matthias

  3. Lorenz Says:

    Lorenz Bachmann says: Ja, im Praktikum ist es nie ganz leicht. Man ist sozusagen das letzte Rad am Wochen und wird bei Entscheidungen oft nicht optimal berücksichtigt. Ich hoffe das wird dann jetzt in Zukunft etwas besser.
    In den Tropen wird eben sehr sehr viel relativ spontan entschieden und dann auch mal wieder umgeworfen. Nicht verzagen. Weiterhin viel Spass in den Bergen von Bolivien. Liebe Grüsse

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