Meine Agroforstparzelle

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Hallo, hier meldet sich Johanna, die Praktikantin im Agroforstprojekt Mollesnejta, Bolivien. Ich hatte die Gelegenheit, meine eigene ca. 6x6m große Agroforstparzelle anzulegen und davon möchte ich euch diesmal ein wenig erzählen.

Design der Agroforstparzelle

Idee: Kombination von Obst-, Begleitbäumen und Gemüsebeeten, Bewässerungskanäle gefüllt mit Aktivkohle
Obstbaumarten: 1 Pacay, 2 Pfirsiche, 2 Avocados
Begleitbaumarten: 1 Retama, 1 Maulbeerbaum, 1 Toborochi

Die Obstbäume wurden jeweils mit einem Abstand von ca. 4m zueinander gepflanzt. Die Bewässerungskanäle wurde vom höchsten Punkt der Parzelle ausgehend angepasst an das Gelände bis zu den Avocadopflanzlöchern gemacht. Für die Terrasse wurde oberhalb der Obstbäume und unterhalb der Begleitbäume anhand des Geländes ein Graben gezogen. Die Zwischenräume der Bewässerungskanäle sind für die Gemüsebeete vorgesehen.

Skizze meiner Parzelle

Substrat

Ich habe sowohl bei den Obstbäumen als auch bei den Begleitbäumen folgendes Substrat verwendet: untere zwei Drittel der Pflanzlöcher: 25% Aktivkohle + 75% Erde, oberes Drittel der Pflanzlöcher: 25% Mist, 25% gehäckseltes Stroh, 50% Erde und Schlamm

Die Aktivkohle haben wir in einem Köhlerofen (Modell Kon-tiki quechua) aus Brennholz, das vor Ort gesammelt wurde, hergestellt und mit Urin aus den Trockentoiletten aktiviert. Die Aktivkohle wird verwendet, um das Wasser im Boden zu speichern und um den Pflanzen durch die Aktivierung mit Urin Nährstoffe (vor allem Stickstoff und Phosphate) bereitzustellen. Die Aktivkohle wird allerdings nur in die unteren zwei Drittel des Pflanzlochs eingebracht, um die Pflanzenkommunikation sicherzustellen. Wenn die Aktivkohle gleich in direkter Nähe der Pflanze wäre, hätte sie Wasser und Nährstoffe sozusagen gleich vor der Haustüre und müsste nicht längere Wurzeln und vor allem keine längeren Feinwurzeln ausbilden, über die sie mit anderen Pflanzen kommuniziert und Nährstoffe austauscht. Aus diesem Grund habe ich die Aktivkohle nur in den unteren Teil des Pflanzlochs gegeben. Das gehäckselte Stroh habe ich verwendet, da es sich schnell zersetzt und als Biomasse Futter für die Bodenbakterien darstellt. Da der Boden hier größtenteils aus Sand und Lehm besteht und sehr arm an Humus ist, ist das Zuführen von Biomasse vor allem auch am Anfang sehr wichtig. Durch den Mist und den Schlamm werden in den Boden Mikroorganismen und Nährstoffe eingebracht. Außerdem erhält der Boden durch das Einbringen von grobem Material Struktur und Lüftung, das für das Leben der Bodenlebewesen wichtig ist. Da unser Boden kaum Humus enthält, würde er sehr schnell verbacken und hart werden, wenn er einmal nass geworden ist.

Vorgehensweise bei der Installierung der Parzelle

  1. Löcher graben: 5 große Löcher für Obstbäume, 3 kleine Löcher für Begleitbäume
  2. Substrat herstellen und mischen
  3. Löcher füllen
  4. Graben für die Terrassierung graben
  5. Bewässerungskanäle graben
  6. Pflanzgraben für Windfang aus Büschen graben
  7. Pflanzen und eingießen
  8. Erde sieben
  9. Terrassen errichten
  10. Substrat für Windfang herstellen und mischen
  11. Pflanzgraben füllen
  12. Büsche für Windfang pflanzen und eingießen
  13. Boden der Gemüsebeete auflockern, Steine entfernen
  14. Gemüsebeete mit gesiebter Erde nivellieren, mit Mist anreichern
  15. Vögelschutznetz für Gemüsebeete herstellen
  16. Gemüsebeete anpflanzen
Tag 1: Graben der Löcher mit großer Unterstützung von Kollegen und Kolleginnen
Tag 5: Ich pflanze das erste Pflanzenkonsortium!

Was ich gelernt habe

  • Es hat wenig Sinn, eine Parzelle auf dem Papier zu planen, man muss das vor Ort machen, um die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen zu können (z.B. schon vorhandene Pflanzen, Geländeneigung)
  • Wenn man eine Zeit lang auf „seinem“ Stück Land arbeitet, kommen nach und nach die Ideen für die Parzelle. Man spürt einerseits die Verantwortung für das Land und andererseits eine große Freude für das Gestalten
  • Auf Diversität im Konsortium der einzelnen Pflanzlöcher achten, damit sich die Pflanzen gegenseitig ergänzen und verschiedene Aufgaben erfüllen
  • Worauf man beim Bäume pflanzen achten muss:
    • nicht zu Mittag in der prallen Sonne pflanzen, denn die Hitze würde den Pflanzen neben dem Umpflanzen noch zusätzlichen Stress bereiten
    • nach den Pflanzen immer die frisch gepflanzten Pflanzen eingießen, damit die feinen Wurzeln Bodenkontakt bekommen
    • es darf bei den Wurzeln kein Hohlraum entstehen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Wurzeln zu faulen beginnen
Tag 15: die Konsortien sind fast vollständig gepflanzt, alle Gräben sind ausgehoben, die Bewässerungskanäle sind mit Aktivkohle gefüllt, die Erde ist teilweise schon gesiebt

2 Antworten to “Meine Agroforstparzelle”

  1. Jochen Currle Says:

    Liebe Johanna,
    spannend! Da hast Du Dir jetzt ein Stück Land bebaut, das ja so richtig interessant erst in ein paar Jahren wird. Die zukünftigen Besuche zum Ernten der Avocados sind damit schon vorgeplant.

  2. Matthias Görgen Says:

    ich finde den Blog-Beitrag sehr gelungen und schön anschaulich, da sehr konkret und praktisch. Eine gute Anleitung für die Praxis und für die Schulung zu Agro-Forst.
    Merci und liebe Grüße, Matthias

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