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Rückblick und Abschied

19. Februar 2018

Im Kreis stehen zahlreiche Menschen, im Hintergrund läuft eine senegalesische Schnulze mit ordentlich Rhythmus und abwechslungsweise tritt jemand ins Innere des Kreises und tanzt, mehr oder weniger wild und gekonnt, einige Minuten oder auch nur Sekunden. Diese Szene gehört nicht etwa zu einer Samstagabendbeschäftigung von senegalesischen Teenagern oder einem Familienfest. Es ist der krönende Höhepunkt einer „Caravane de sensibilisation“ zu Themen der Nachhaltigkeit wie eine korrekte Entsorgung von Abfall, der Verzicht auf Pestizide oder einer gesunden Ernährung. Die Begeisterung der Teilnehmer wird spürbar als die Themen der Caravane in einem Sketch verpackt den Anwesenden vermittelt werden. Lautes Gelächter ertönt und es wird zustimmend genickt.

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Neujahr und Dromedar

3. Januar 2018

Fast hätte ich am 31. Dezember Mitternacht verpasst. Ich habe nicht etwa geschlafen. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen bei dem vielen Feuerwerk und anderen Knallkörpern, die in die Luft stiegen. Auf dem Hauptplatz von Thiés stand ich in Scharen von Menschen. Unzählige Autos und kleine Motorräder waren auf den Strassen unterwegs und brachten den Verkehr zum Stillstand. In Pink und Violett leuchtende Hasenohren als Haarreifen, glitzernde übergrosse Brillen, mit Lametta behangene Zaubererhüte und Tiermasken aus Plastik wurden von zahlreichen Leuten getragen. Auch viele Kinder waren in der Menge. Selbst bei all dem Trubel fanden sie die einzige Weisse dort noch amüsant und grüssten mit dem in der Schule gelernten „Bonsoir“. Aber wieso verpasste ich nun Mitternacht beinahe? Es gab keinen Countdown, keine Umarmungen und natürlich auch kein Anstossen, trinken doch Moslems keinen Alkohol. Selbst Wünsche zum guten Jahr scheinen nicht verbreitet zu sein. Silvester ist hauptsächlich ein guter Grund zum Feiern für alle Konventionen und Ethnien. Eigentlich genau wie es in Europa auch der Fall ist, nur das dort der Alkoholpegel in der Regel deutlich höher steigt.

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Landwirtschaft à la sénégalaise

5. Dezember 2017

Toubab! Toubab! Überall tönt mir dieser Ausruf entgegen, sei es von Kindern oder Erwachsenen. Für alle bin ich gleichermassen eine Attraktion in ihrem wenig abwechslungsreichen Dorfleben. Früher das Synonym für die französischen Kolonialherren werden heute alle Menschen mit weisser Hautfarbe so genannt. Seit meiner Vorgängerin Lynn bin ich wohl die erste Weisse, die in das Dorf Ndiedieng gereist ist. In der Nähe der gambischen Grenze gelegen, kennt nicht einmal Google Maps diesen Ort.

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Ab aufs Land!

24. Oktober 2017

Ein Monat Grossstadtleben (Thiès hat knapp 240‘000 Einwohner) ist vorerst genug. Ich werde ins Dorf Ndiedieng reisen und dort den praktischen Teil meiner Aufgabe beginnen. Bisher habe ich hier meine Zeit nämlich im angenehm klimatisierten Büro von Agrecol-Afrique verbracht. Arbeitsbeginn um 8 Uhr, gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern zu Mittag essen und um 17 Uhr wieder zurück zu meiner Unterkunft zotteln, so mein erstaunlich geregelter Alltag. Nun freue ich mich, hinaus zu den Bauern und Bäuerinnen zu reisen und möglichst viel von ihrer Lebensrealität zu entdecken und aktiv an ihrem Leben teilnehmen zu können.

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Neu und farbenfroh

9. Oktober 2017

Seit knapp einer Woche bin ich nun in Thiès, Senegal bei Agrecol-Afrique. Das erste Erfolgserlebnis, nämlich meinen Arbeitsweg alleine wiederfinden, habe ich bereits verbucht. Auch typische Gerichte der senegalesischen Küche wie Thieboudienne (Fisch mit Reis) oder Domoda (Rindfleisch an einer braunen Sauce ebenfalls mit Reis) durfte ich bereits geniessen. Aber was waren die prägenden Eindrücke für mich seit meiner Ankunft hier?

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